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Kapitel II: Sternenhimmel

In einem kleinem Zimmer, hoch oben in den Wipfeln von Galandra, der ersten und wahrscheinlich auch bis in alle Ewigkeit letzten Hafenstadt nördwärts des großen Mitgebirges, saß Alerias und betrachtete das Treiben der Stadt. Dunkelheit herrschte obwohl die letzten Abendstunden noch nicht verklungen waren. Dunkelheit war dieser Tage die herrschende Macht der Hafenstadt. Alerias hatte ein festes Ziel vor Augen, bevor er den Raum, das Haus und sein Leben hinter sich ließ.

Mit einer verdammten Mannschaft verließ er den Hafen und steuerte Lichtwärts, wo den Legenden nach, jenseits des Horizonts, eine neue Welt beginnen sollte. Auch wenn noch nie ein Schiff dorthin und wieder zurück gekehrt war, glaubte seine Mannschaft an Alerias, denn er hatte ihnen ein Land jenseits von Leid und Sorgen versprochen und ihnen klar gemacht, dass jeder Atemzug, den sie nicht für diesen Traum lebten, ein verlorener war. Und während das Schiff die letzten Lichter der Stadt hinter sich ließ, sahen sie zu, wie sich vor ihnen die Wolkendecke langsam lockerte und die ersten Sterne zum Vorschein kamen. Ein Anblick, den sie seit unglaublich langer Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten und welcher Hoffnung in ihren Herzen aufblühen ließ.

Die Reise, und das wussten sie alle, sollte lang werden. Um so schlimmer war das Heimweh für Alerias, der seiner Frau und seiner Tochter hat lebwohl sagen müssen. Die Tage verflogen und immer mehr suchte er die Einsamkeit und die Ruhe um sich seinen Erinnerungen völlig hingeben zu können. Den Erinnerung an eine Zeit, die wunderschön gewesen war und die er sich stets herbeiwünschte.

Die Welt hatte sich verändert. So sehr, dass Alerias sie kaum wiedererkennen konnte. Doch nicht nur die Welt, sondern auch das Wichtigste in seinem Leben, hatte sich verändert. Seine Tochter. Alerias sah es bei jedem Blick in die Vergangenheit. Er sah, wie es von Tag zu Tag schlimmer wurde, bis er und seine Frau verzweifelten, wenn ihre Tochter sie auch nur ansah. Ein böser Dämon schien ihr Herz zu verpesten. Alerias sah seine Welt unter einer Decke aus Dunkelheit vergehen, alles schien ihm wie ein böser Traum, aus dem er jedoch nicht erwachte. Alles was ihn damals noch Hoffnung schenkte, war seine Frau mit der er sich das versprechen gab auf ewig zusammenzuhalten.

Die beiden suchten in ihrer Verzweiflung die einzige Person auf, die ihnen ihrer Meinung nach hätte noch helfen können: einen Mann Gottes. Alerias sah die Hoffnung in den Augen seiner Frau zerbrechen, nachdem der Mann den Raum betreten hatte, in dem ihre Tochter war. Das einzige, was sie dann noch hörten, war diabolisches Geschrei, indessen sie Wortfetzen verstanden, sie sollen ihr altes Leben hinter sich lassen, laufen so schnell und so weit sie konnten, da es keine Hoffnung mehr gäbe. Alerias Frau ließ ihr Leben auf dieser Welt noch in derselben Nacht...

Die Wellen peitschten während einer jeden Nacht über das Meer. Keiner konnte genau sagen, wann und ob sie jemals ihr Ziel erreichen würden und Alerias war immer seltener an Deck. Dero, einer seiner Gefolgsleute, den die Ungewissheit wohl am meisten plagte, machte sich während einer Abenddämmerung auf die Suche nach ihm um etwas Hoffnung zu schöpfen und diese Nacht überstehen zu können. Doch was er fand machte ihm Angst. Alerias war nirgends aufzuspüren, doch fand er ein paar seiner Sachen und alles begann für Dero den Sinn zu verlieren. Alerias war nie auf der Suche nach einem neuen Leben gewesen. Er hatte etwas anderes vor, doch waren keine Hinweise darauf zu finden was Alerias wirklich auf dieser Reise zu finden suchte. Das war aber nicht schlimm, denn diese Frage konnte er ihm selbst beantworten. Mit leerem Blick erzählte Alerias, der Dero beim durchwühlen seiner Sachen erwischt hatte, seine Geschichte. Er sagte er suche den Dämon, der den Körper seiner Tochter verlassen und sich in dem des Priesters eingenistet habe und sich nun auf irgendeinem Schiff auf diesem Meer befand. Er wusste genau, wie aussichtslos seine Suche war, doch hätte er es sich nicht verzeihen können, wenn er es nicht wenigstens versucht hätte, diesen Teufel mit allen Mitteln zu finden und zu vernichten.

Als Dero wieder oben am Deck war und die, den Horizont verdeckenden, Wolken und die sich vor ihm aufbäumenden Wellen sah, wusste er, dass es für ihn nur noch einen Weg gab. Er sprang und als er das andere Ende des Seins sah, hatte er bereits die Kälte des Wassers vergessen.

Am nächsten Morgen sollte sich einiges ändern. Die Mannschaft hatte am Ende des Horizonts Land entdeckt. Aufbruchsstimmung lag in der Luft, doch auch ein Sturm bahnte sich an. Und Während die Mannschaft dem Sturm entgegen fieberte zog sich Alerias in die Dunkelheit zurück, wo er erneut den schlimmsten Tag seines Lebens vor seinem geistigen Auge ablaufen ließ. Den Tag, an dem er dem Leben seiner Tochter ein Ende gesetzt hatte...

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